Die Speichellipase – unser Fettdetektor

Speichellipase

Wie mächtig ist das Stück Torte? – Die Antwort darauf kennt unsere Speichellipase

Habt ihr auch ein, zwei Freunde, die eine halbe Buttercremetorte allein essen könnten, wenn sie wollten? Denen es auch nach zwei großen Schachteln fetttriefenden Pommes  noch gut geht, während der Rest schon nach einer Scheibe Fettaufsauger-Brot verlangt? Woher diese Unterschiede kommen und wie sie unsere Ernährung beeinflussen können, erfahrt ihr jetzt!

Der 6. Geschmackssinn

Wie schnell wir von etwas fettigem satt werden, könnte möglicherweise von einen ganz besonderen Enzym in unsere Mundhöhle abhängen. Der 6. Geschmackssinn „fettig“ wurde im Juli 2015 offiziell bestätigt. Bestimmte Fettrezeptoren auf unserer Zunge nehmen freie Fettsäuren in unserem Essen wahr.

Allerdings können wir in unserer Nahrung kaum freie Fettsäuren finden. Drei Fettsäuren sind in der Regel mit einem Glycerinmolekül verknüpft.  Das Fettpaket nennt der Biochemiker dann Triglycerid und das ist das eigentliche Fett, das wir am Schweinekotelett und an unserer Hüfte sehen können.

Die Fettverdauung beginnt im Mund

Erst bestimmte Enzyme scheiden die Fettsäuren von ihrem Glycerin ab. Lange glaubte die Wissenschaft, dass sich diese Lipasen nur im Bauchspeichel befinden und zusammen mit den Gallensäuren im Dünndarm die Fettverdauung einleiten. Das wäre das K.O.-Argument für den 6. Geschmackssinn gewesen, da unsere Fettrezeptoren ja nur freie Fettsäuren wahrnehmen können.
Mittlerweile scheint allerdings klar zu sein, dass diese fettspaltenden Enzyme auch schon in unserem Speichel vorkommen.

Und jetzt kommt der Clou: Wie viel Speichellipase ausgeschüttet wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich! Diejenigen, die mit weniger Lipase weniger Fettsäuren abschneiden können, nehmen das Fett in der Nahrung auch nicht so gut wahr.

Essen Menschen mit weniger Speichellipase mehr Fett?

Ob das jetzt eurer Geschmacksempfinden wahnsinnig beeinflusst, sei mal dahingestellt. Doch eines steht fest: Die Fettrezeptoren leiten Signale an unser Gehirn weiter, das daraufhin dem gesamten Körper mit Hormonen Bescheid gibt, dass wir schon eine ordentliche  Portion Fett intus haben. Wir werden satt. Die Lipasemenge in unserem Speichel spielt also eine Rolle für unser Sättigungsempfinden.

Die gute Nachricht ist: Fettrezeptoren gibt es auch in unserer Magen- und Darmschleimhaut. Auch hier wird das Fett in der Nahrung erkannt und entsprechende Signale werden übermittelt. Übrigens kann unser Verdauungstrakt sogar den gesamten Speisebrei „schmecken“.  Enteroendokrine Zellen tragen noch weitere Rezeptoren für süß, bitter und umami in Darm und Co und teilen unserem Gehirn so mit, was wir gerade verspeist haben.

Noch ist sich die Wissenschaft nicht sicher, inwiefern eine geringere Empfindlichkeit für Fett das Körpergewicht beeinflusst. Es wäre aber an sich logisch, dass ein Mensch mit viel Lipase im Speichel weniger Fett aufnehmen muss, um sich wohl und satt zu fühlen.

Wie schmeckt Fett?

Doch sind wir mal ehrlich. Haben wir überhaupt schon einmal bewusst Fett geschmeckt? Wie schmeckt Fett überhaupt? Tja, das kann ich euch leider auch nicht verraten. Und auch die Forscherteams wollen das noch herausfinden.
Ich weiß nur, dass ich so im Mittelbereich liege. Ich schaff ein großes Stück Buttercremetorte. Eine Freundin von mir kapituliert schon bei einer halben. Mein Onkel guckt erst nach zwei Stücken auf und meint: „Ach, eins geht noch….“

The following two tabs change content below.

Emilie Wegner

FUXXIG Autorin
Emilie Wegner studiert Ernährungswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle. Auf "Emilies Treats" bloggt sie über Themen der Ernährung und die Liebe zum Essen.

Kommentar verfassen