Auf Zahnfühlung: André Zeidler

André Zeidler liebt es, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Nach der Ausbildung zum Zahntechniker wurde er bereits mit Mitte zwanzig Laborleiter von Artis’ Dent in Annaberg. Für ihn jedoch kein Grund, sich auszuruhen. Ehrgeizig setzt er neue Visionen um, befeuert von der Leidenschaft zum Handwerk und der Freude am Beruf. 

Dank milder Frühlingstemperaturen lässt André im Fräulein August den Tag an der frischen Luft ausklingen. In Halle ist er nur zu Besuch. Er reist gern und dank des Fräszentrums viel, die Saalestadt wäre ihm auf Dauer aber zu flach – die Berge haben es ihm angetan. Auch seinen Beruf übt er mit Leib und Seele aus. Wenn er über die laufenden Projekte und Zukunftspläne redet, sprudeln die Worte nur so aus ihm heraus. „Zukunft heißt für mich immer Weiterentwicklung”, sagt er voller Energie.

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André (links) gemeinsam mit Geschäftsführer Erik Bausmann.

Seit du Laborleiter in Annaberg für ein 15-köpfiges Team wurdest, hat sich einiges getan. Heute bist du für 25 Personen verantwortlich. Folgst du in deiner leitenden Position einer Philosophie?

Dass ich so jung schon Laborleiter wurde, war mehr oder weniger ein “personeller Zufall”. Mittlerweile bin ich gut in die Position herein gewachsen, die damit verbundene Verantwortung nehme ich jedoch noch heute sehr ernst. Ich denke, ein Unternehmen kann nur so gut sein, wie es geführt wird. Deshalb versuche ich mich ständig zu verbessern, ich möchte ein fairer Chef sein und für eine angenehme Arbeitsatmosphäre sorgen. Deshalb bin ich Mitglied bei den Wirtschaftsjunioren – ein Verband, in der sich Jungunternehmer und Führungskräfte austauschen und auch weiterbilden können.

Seit knapp drei Jahren fertigt ihr unter dem Namen „Artis Loves Art“ auch Schmuckstücke an. Wie ist dieses Projekt entstanden, wo es doch offensichtlich weit entfernt von der Zahntechnik ist?

Bereits durch die Zahntechnik haben wir als Team ein Faible Kunst und Ästhetik. Ich würde somit behaupten, es liegt uns im Blut. Früher haben wir schon in der Weihnachtszeit, wenn sich das Arbeitspensum entspannte, Schmuck hergestellt, damals noch klassisch mit Wachs. Doch mit der Anschaffung der hochmodernen Fräse boten sich neue Möglichkeiten, denen wir nachgehen wollten. Die Fräse ist somit der Schnittpunkt beider Bereiche. „Artis Loves Art“ ist der Versuch, mit den heutigen Technologien etwas Besonderes zu schaffen – Schmuck, der einzigartig ist.

Was macht den Schmuck einzigartig?

Wir verwenden zur Herstellung zwei Naturrohstoffe: Holz und Keramik. Die Kunden können sich nach dem Baukastenprinzip ihr individuelles Schmuckstück herstellen – wir fertigen das Unikat mit unserer Fräse an und veredeln es im Anschluss von Hand. Man muss zugegebenermaßen auch ein bisschen verrückt sein, um so ein Projekt anzugehen – wir wussten nicht, ob es funktioniert. Doch die positive Resonanz beweist, dass es sich bewährt.

Seit mehreren Jahren seid ihr obendrein als Fräszentrum überregionaler Dienstleister für andere Zahnlabore. Kannst du mir kurz erklären, wie man sich als Leihe die Funktionsweise der Fräse vorstellen kann?

Es ist sozusagen ein sehr großer Kasten, in dem eine Art Bohrmaschine ist, die durch verschiedene Bohrer unterschiedlich fräsen kann. Dazu gibt es einen Tisch, in dem zum Beispiel ein Stück Metall, meist in runder Scheibenform, eingespannt wird. Über ein PC-Programm wird das Herzustellende, von Zahnersatz bis hin zu Schmuckstück, virtuell konstruiert. Die Maschine wandelt den Datensatz dann in ein Fräsprogramm um und fertigt ein Rohprodukt, das dann noch von Hand bis zum Finish veredelt werden muss.

Also wie 3D-Drucker – bloß eben als Fräse?

Sozusagen genau anders herum. Vergleichbar ist, das man aus einem virtuellen Objekt ein Haptisches fertigt. Während ein 3D-Drucker einen Gegenstand schichtweise aufbaut, wird beim Fräsen Material weggenommen. Die Fräse bewegt sich so lange um das Werkstück, bis alles ordentlich rausgefräst ist. Natürlich gehört noch mehr dazu, zum Beispiel muss je nach Material eine unterschiedliche Frässtrategie angewandt werden.

Was hat sich für euch aus technischer Sicht durch die Fräse geändert?

Früher wurde Zahnersatz mit Wachs aufmodelliert, Tropfen auf Tropfen. In einer Muffel wurde das Wachs dann im Ofen erhitzt und ausgebrannt, die verbliebene Hohlform wurde dann Metall gegossen. Dieses Gussverfahren war viel fehleranfälliger. Heute läuft dieser Prozess virtuell ab, die Zahntechniker konstruieren den Zahnersatz an großen Bildschirmen. Damit Damit hat sich die Materialqualität enorm gesteigert und die Fehleranfälligkeit deutlich reduziert. Dafür sprechen auch die Fakten: unser Labor ist in Sachen Qualität- und Herstellungsstandart mit der ISO-Norm ISO1345 zertifiziert.

Wird der handwerkliche Aspekt in der Zahntechnik dadurch verloren gehen?

Nein, wenngleich die Digitalisierung voranschreitet und das Virtuelle zukünftig einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Wenn ich virtuell etwas konstruieren will, muss ich wissen, wie es handwerklich funktioniert. Das Handwerk ist und bleibt somit die Grundvoraussetzung. In der Ausbildung steht dieses deshalb noch immer im Vordergrund.

Du schwärmst für das Erzgebirge und dessen “Hauptstadt” Annaberg. Warum?

Viele Besucher zieht es vor allem im Winter ins Erzgebirge – nachvollziehbar, da wir viel Schnee bekommen und mit Weihnachtsbeleuchtung die ganze Kulisse einem Märchen gleicht. Doch ich kann, als leidenschaftlicher Sportler, dem Sommer auch viel abgewinnen. Vor allem liebe ich es, einen Blick in die weite Ferne zu werfen. Draußen in der Natur kann ich Eindrücke aus dem Alltag verarbeiten und meinen Gedanken freien Lauf lassen. Es ist ein herrlicher Spaß, mit dem Fahrrad durch Wälder zu fahren, den Duft aufzunehmen … Das erdet nicht nur, sondern liefert auch eine ganze Menge Inspiration – zumeist komme ich mit einem Kopf voller Ideen für neue Projekte oder Schmuckstücke von einem Ausflug zurück.

Hast du einen ganz persönlichen Ausflugstipp für die Region? 

Ein lohnenswertes Abenteuer ist der “Stoneman” – ein Fahrradtrail von Roland Stauder, den es seit drei Jahren im Erzgebirge gibt. Auf einer Strecke von gut 170 Kilometern bezwingt man neun Gipfel, legt über 4000 Höhenmeter zurück und taucht in die Schönheit der Natur des Erzgebirges ein. Diese Strecke ist in Deutschland einmalig und absolut empfehlenswert. Je nachdem, wie lange man dafür braucht, erhält man am Ende eine Gold- (ein Tag), Silber- (zwei Tage) oder Bronzemedaille (drei Tage). Ich habe die Strecke mit Freunden innerhalb von zwei Tagen gemacht – eine ordentliche Anstrengung, die sich aber enorm gelohnt hat.

Weiterführende Links:


In der Reihe Auf Zahnfühlung kannst du auf Fuxxig die Menschen kennenlernen, die im Universum von Akadent Esthetic eine Rolle spielen – sei es als Mitarbeiter, Zahnarzt oder Kunde – und eine Geschichte zu erzählen haben. Wir reden mit ihnen über ihre Arbeit, aber auch über die (anderen) schönen Dinge, die das Leben so wunderbar machen. Möchtest du auch einmal vorgestellt werden? Dann schreibe uns sehr gerne über das Kontaktformular auf der Startseite eine Nachricht und philosophiere bei einem Kaffee mit uns über das Leben. 

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Josephine von Blueten Staub

Web- und Grafikdesignerin, admin. Verwaltung, Autorin
Josephine von Blueten Staub ist als freiberufliche Künstlerin in der Spoken Word- und Literaturszene aktiv. Auf ihrem gleichnamigen Blog schreibt sie über Reisen und banale Kuriositäten des Alltags.

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